65! LEBEN

Ein Dokumentarfilm der Interkulturellen Denkfabrik e.V. · Hamburg 2026

65! LEBEN

Aus ein paar Jahren wurde ein Leben.

65 Jahre deutsch-türkische Realität

Premiere am 30. Oktober 2026 · Altonaer Rathaus

Im Zentrum

Der Hauptfilm

Dreizehn Menschen, elf Gespräche, ein gemeinsamer Film. Er erzählt von Ankunft und Arbeit, von Sprache, Familie und der Frage, wann aus einem Aufenthalt ein Zuhause wurde.

Jetzt zu sehenDer Vorspann · 72 Sekunden
HauptfilmAb der Premiere am 30.10.2026 hier abrufbar
RegieRecep Ulaş Cüre

Über den Film

Damit ihre Stimmen bleiben

Was bleibt von einem Leben, wenn die Menschen, die es erlebt haben, irgendwann nicht mehr erzählen können?

Am 30. Oktober 1961 schlossen die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei das Anwerbeabkommen. 65 Jahre später fragt „65! LEBEN“ nach den Leben, die sich in diesem Zusammenhang und über ihn hinaus entfaltet haben.

Das Abkommen erklärt nicht jede Ankunft. Astrid Bağlı kam schon im Februar 1961. Hüseyin Yılmaz kam zum Studium, andere folgten ihren Angehörigen. Die Herkunft aus der Türkei sagt noch nicht, welche Sprache jemand zuerst gesprochen hat, woran ein Mensch glaubt oder warum er aufgebrochen ist. Kurdisch, Aramäisch, Armenisch und Türkisch gehören zu diesen Geschichten.

Der Film will keine Generation verklären und aus sehr unterschiedlichen Lebenswegen keine einzige Migrationsgeschichte machen. Er hält fest, wie diese Menschen selbst ihr Leben erinnern: mit Stolz und Enttäuschung, mit Humor, Widersprüchen und Liebe.

Mit

Erdoğan Hayık · Meliha Hayık · Hüseyin Yılmaz · Abdi „Keko“ Dağlum · Bayram İnan · Hazni Aydoğdu · Belgız Ülgen · Funda Gür · Cemil Boğa · Elif Uçar · Astrid Bağlı · Suren Bağlı · Yusuf Çetin

Regie
Recep Ulaş Cüre
Kamera
Axel Decker
Schnitt, Farbe
Beryll Winkelmann
Musik
Die LoLaBand · Leitung Ulrich Kodjo Wendt
Transkription
Aurel-Medien
Übersetzung
Tevfik Turan
Projektleitung
Hasan Burgucuoğlu · Timm Taube
Produktion
Interkulturelle Denkfabrik e.V.

Elf Interviews

Jedes Gespräch auch einzeln

Neben dem Hauptfilm erscheint jedes Interview als eigenes Video. Bis dahin stellen wir die Menschen hier mit ihren eigenen Worten vor.

„Hier vermisst man dort mehr, weil die Familie dort ist. Aber wenn man dort ist: Was machen die Kinder? Man vermisst hier.“
Elif Uçar · aus dem Türkischen übersetzt

Hintergrund

Das Anwerbeabkommen und was daraus wurde

Geplant waren zwei Jahre. Daraus wurden Familien, Berufe, Vereine, Gräber und Enkel.

Die Bundesrepublik suchte in den Jahren des Wirtschaftswunders dringend Arbeitskräfte. Nach Italien (1955), Spanien und Griechenland (1960) folgte am 30. Oktober 1961 die Vereinbarung mit der Türkei, geschlossen als Notenwechsel. Sie trug den nüchternen Titel „Regelung der Vermittlung türkischer Arbeitnehmer nach der Bundesrepublik Deutschland“.

Anfangs galt das Rotationsprinzip: höchstens zwei Jahre Aufenthalt, dann sollten neue Arbeitskräfte kommen. Schon 1964 fiel diese Grenze, der Nachzug von Familien wurde möglich. Die Menschen arbeiteten auf Werften, im Straßenbau, in Fabriken, Krankenhausküchen und Reinigungsdiensten. Rund ein Drittel waren Frauen.

Mit dem Anwerbestopp vom 23. November 1973 endete die Anwerbung, die Migration aber nicht. Familien kamen nach, Menschen blieben. Der Begriff „Gastarbeiter“ verdeckt bis heute, wie viel Fachwissen, Arbeit und Leben in diesen Jahren steckt.

Gemalter Reisepass mit Stempeln: Einreise München 1961, Arbeitserlaubnis, Aufenthaltserlaubnis unbefristet
30.10.1961Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei
2 Jahresollte der Aufenthalt anfangs höchstens dauern, 1964 aufgehoben
≈ 867.000Menschen kamen bis 1973 aus der Türkei, rund 240.000 kehrten zurück
23.11.1973Anwerbestopp. Danach prägen Familiennachzug und Bleiben das Bild

Kleine Chronologie

  1. Vor dem Abkommen

    Suren Bağlı kommt als Dreher zu Blohm + Voss. Astrid folgt am 5. Februar 1961 mit der Tochter.

  2. Anwerbeabkommen

    Notenwechsel zwischen der Bundesrepublik und der Türkei. Ein wichtiger Rahmen für die Arbeitsmigration.

  3. Im Hamburger Hafen

    Funda Gürs Großvater kommt als Hafenarbeiter. Die Familie lebt lange getrennt.

  4. Neufassung

    Die Zwei-Jahres-Grenze entfällt, Familiennachzug wird möglich.

  5. Viele Ankünfte

    Elif Uçar, Hüseyin Yılmaz, Erdoğan Hayık, Cemil Boğa, Belgız Ülgen, Bayram İnan: zum Arbeiten, zum Studium, zu Angehörigen.

  6. Anwerbestopp

    Die Anwerbung endet. Familiennachzug und dauerhafte Niederlassung gewinnen an Bedeutung.

  7. Rückkehrhilfe

    Der Bund fördert befristet die Rückkehr. Funda Gürs Großeltern gehen zurück, ihre Mutter bleibt.

  8. Neues Staatsangehörigkeitsrecht

    In Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern können unter Voraussetzungen mit der Geburt Deutsche werden.

  9. 60! LEBEN

    68 Interviews, mehr als 20 Veranstaltungen, das digitale Archiv 60leben.de.

  10. 65! LEBEN

    65 Jahre nach dem Abkommen: Premiere im Altonaer Rathaus.

Mehr als eine Herkunft

Unter dem gemeinsamen Herkunftsland liegen verschiedene Geschichten

Bayram İnan und Keko sprechen von Kurdisch als ihrer ersten Sprache. Hazni Aydoğdu erzählt von der aramäischen Sprache in seiner Familie. Bei Astrid Bağlı gehören Armenisch und Türkisch zum Zuhause.

Auch zum Glauben gibt es keine gemeinsame Antwort. Für die einen ist eine Gemeinde Halt, für andere war der Abstand davon Befreiung. Manche erinnern Ausgrenzung als Christen und die Freiheit, die eigene Identität in Deutschland offen leben zu können.

Eine gemeinsame Geschichte muss diese Unterschiede nicht glätten. Sie kann ihnen Raum geben.

Termine

Film und Begegnung

Premiere

30.10.2026

18:30 Uhr · Altonaer Rathaus
Platz der Republik 1, 22765 Hamburg
Eintritt frei · keine Anmeldung · barrierefrei

  • Grußwort von Cem Özdemir, Ministerpräsident von Baden-Württemberg
  • Filmvorführung „65! LEBEN“
  • Podium mit Yaşar Aydın und Aydan Özoğuz, Moderation Rukiye Cankiran
  • Musik: Menekşche-Chor

Filmvorführung

04.12.2026

18:00 Uhr · Zeise Kinos
Friedensallee 7–9, 22765 Hamburg
Eintritt frei · Freikarten im Kino

  • Grußwort von Staatsrätin Funda Gür
  • Musik: Pinhan Trio
  • Zertifikate für die Interviewten von 60! und 65! LEBEN

Für Schulen und Gruppen

Vorführung mit Gespräch

Schulen und interessierte Gruppen können eine Filmvorführung mit anschließender Diskussion anfragen. Auch Reservierungen für die Zeise Kinos sind per E-Mail möglich.

info@ikdf.org

Gemalte Gleise, die im Morgenlicht zum Horizont führen

Das Vorgängerprojekt

Von 60! LEBEN zu 65! LEBEN

2022 hörte „60! LEBEN“ zu. Aus geplanten 60 Porträts wurden 68 Interviews, die erste Premiere fand im Museum für Hamburgische Geschichte statt. Suren Bağlı erzählte schon damals von seinem Leben. Das digitale Archiv trägt diese Erinnerungen weiter.

68Interviews
20+Veranstaltungen
2022Premiere

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